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Mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung

Zwei Wochen nach dem Bundestag stimmt auch der Bundesrat über das neue Bundesteilhabegesetz ab. Es soll Menschen mit Behinderung mehr Selbstbestimmung und bessere Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen. Die Reform ordnet Leistungen der sogenannten Eingliederungshilfe neu und modernisiert sie anhand der Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention.

Selbstbestimmtes Leben

Davon profitieren vor allem Personen, die auf persönliche Assistenzleistungen im Alltag und am Arbeitsplatz angewiesen sind. Sie und ihre Ehepartner dürfen deutlich mehr vom eigenen Vermögen und Einkommen behalten.

Die Leistungen werden aus der Sozialhilfe herausgelöst und im Behindertenrecht verankert. Sie sind nicht mehr an eine bestimmte Wohnform wie Heime oder Wohngruppen gebunden.

Derzeit beziehen rund 700.000 Menschen Eingliederungshilfe, wofür Länder und Kommunen pro Jahr rund 17 Milliarden Euro ausgeben. Die Reform führt nach Schätzungen des Gesetzentwurfs zu zusätzlichen Ausgaben von rund 700 Millionen Euro im Jahr.

Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt

Menschen, die in Behindertenwerkstätten arbeiten, erhalten künftig mehr Geld. Zudem gibt es für Arbeitsgeber Lohnkostenzuschüsse von bis zu 75 Prozent, damit mehr Menschen mit Behinderung im normalen Arbeitsmarkt einen Job finden.

Intensive Diskussionen

Das Gesetzgebungsverfahren wurde von kontroversen Diskussionen in der Zivilgesellschaft begleitet. Viele Verbände kritisierten die Regierungspläne. Der Bundesrat hatte am 23. September 2016 eine äußerst umfangreiche Stellungnahme abgegeben.

Zahlreiche Änderungen im Bundestag

Der Bundestag verabschiedete den Gesetzentwurf der Bundesregierung am 1. Dezember 2016 mit zahlreichen Änderungen. Unter anderem stellte er klar, dass der Zugang zur bisherigen Eingliederungshilfe beispielsweise für Blinde, Hörgeschädigte und psychisch kranke Menschen nicht eingeschränkt wird. Künftig sind nun doch Leistungen der Eingliederungshilfe und der Pflegeversicherung weiter nebeneinander möglich. Die ursprünglich vorgesehene Vorgabe, Eingliederungshilfe nur dann zu gewähren, wenn ein Betroffener in mindestens fünf von neun Lebensbereichen eingeschränkt ist, tritt nun erst 2023 in Kraft. Weitere Änderungen betreffen die Bereiche Pflege und Bildung. Die erste Stufe des Gesetzes soll am 1. Januar 2017 in Kraft treten.

Stand: 06.12.2016

Link zur Drucksache: Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen (PDF, 405KB, nicht barrierefrei)

Link zur Drucksache: Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen (PDF, 228KB, nicht barrierefrei)

Der Ausschuss für Arbeit, Integration und Soziales empfiehlt dem Plenum, dem Gesetz zuzustimmen.

Der Finanzausschuss rät dem Plenum zusätzlich zu einer Entschließung. Darin kritisiert er, dass die vom Bundesrat geforderte Kostenübernahme des Bundes bezüglich der durch das Bundesteilhabegesetz entstehenden Mehrkosten für Länder und Kommunen fehle. Dies widerspreche der Zusage des Bundes, dass sie keine zusätzlichen Ausgaben zu erwarten hätten. Angesichts der finanziellen Auswirkungen auf die Länderhaushalte sehen die Finanzminister der Länder die Ziele des Bundesteilhabegesetzes erheblich gefährdet. Der Finanzausschuss spricht sich deshalb dafür aus, die Einnahmen und Ausgaben für die zentralen Leistungen des Bundesteilhabegesetzes in den Jahren 2017 bis 2021 zu evaluieren. Sollte sich hierbei eine Kostensteigerung bei den Ländern oder Kommunen abzeichnen, sei es Aufgabe des Bundes, diese zu übernehmen.

Stand: 09.12.2016

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